SCHANDORF KENNENLERNEN
Schandorf: Hügelgräber und Grenzgeschichte
Schandorf liegt auf 260 Metern Seehöhe im Südburgenland und ist die einzige Ortschaft der gleichnamigen Gemeinde. Das Gemeindegebiet umfasst 11,26 Quadratkilometer; am 1. Jänner 2026 lebten hier 331 Menschen. Kroatisch prägt die sprachliche Tradition des Dorfes.
Ein Gräberfeld aus der Hallstattzeit
Der Schandorfer Raum war schon in der Jungsteinzeit besiedelt; archäologische Funde belegen Menschen hier seit dem 6. Jahrtausend vor Christus. Seine Blüte erlebte die Gegend ab etwa 750 vor Christus, als die Verhüttung und Vermarktung von Eisen Wohlstand schuf. Im Schandorfer Wald liegt ein großes Hügelgräberfeld aus der Hallstattzeit. Die Gemeinde nennt 285 Grabhügel, bis zu 16 Meter hoch und bis zu 40 Meter breit. Zwei weitere Gruppen von Grabhügeln stammen aus der Römerzeit.
Von Chem zu Schandorf
1244 erscheint die Dorfgemeinde erstmals als „villa Chem“ in einer Urkunde König Bélas IV. Darin übergab der König den Herren von Csém die alte Pinkaburg Óvár zur Wiedererrichtung und beschrieb die Grenzen zu Nachbardörfern. Schandorf war damals ein deutsch besiedeltes Bauerndorf innerhalb des ungarischen Grenzwächtersystems Gyepű. Nach den Türkeneinfällen des 16. Jahrhunderts wurde das verwüstete Dorf ab 1543 von den Batthyány mit kroatischen Bauern aus Westslawonien neu besiedelt. Die kroatische Sprache und Kultur blieb prägend. Das Gemeindesiegel von 1872 zeigt eine Getreidegarbe, Rechen und Sense; die Aufschrift lautet ungarisch „Csémi Község“.
Ein Dorf zwischen Staatsgrenzen
Nach dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich 1921 kam Schandorf erst am 10. Jänner 1923 als eines der letzten Dörfer in das neue Bundesland. Bei der Grenzziehung spielte auch der Verlauf der Pinkatalbahn eine Rolle. 1971 wurde Schandorf mit Dürnbach und Schachendorf zur Großgemeinde zusammengelegt; seit 1. Jänner 1996 ist es wieder eine eigenständige Gemeinde; die Trennungsverordnung datiert von 1995. Seit 2007 führt ein Grenzübergang direkt in die ungarische Nachbargemeinde Narda. Er darf ausschließlich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder zu Pferd benutzt werden.
Straßendorf und Pfarrkirche
Die katholische Pfarrkirche ist der heiligen Anna geweiht. In der Landwirtschaft waren 2010 insgesamt 19 Betriebe tätig, sechs davon im Haupterwerb; sie bewirtschafteten mehr als 40 Prozent der rund 1.000 Hektar Agrarflächen. Durch das Gemeindegebiet verläuft die Geschriebenstein Straße B56 von Norden nach Süden. Die Gemeinde liegt in einer Senke am Edelbach. Bis Ende des 18. Jahrhunderts gab es kaum Steinbauten; die Häuser bestanden aus Holzbalken und Lehm, teils mit Lehmziegeln oder Stampflehmwänden. Im 111 Hektar großen Bischofswald läuft seit 1996 ein Generhaltungsprogramm für Zerreichen. Im Pinkadurchbruch wurden seltene Pflanzen wie der Karpaten-Spierstrauch gefunden. Im Vereinshaus ist eine zweisprachige Schausammlung eingerichtet: Funde aus Keramik und Eisen werden in fünf Vitrinen den Zeitaltern von der Steinzeit bis zur Römerzeit zugeordnet.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Schandorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Schandorfs Geschichte und Kultur – Gemeinde Schandorf
- Hügelgräber in Schandorf – Gemeinde Schandorf
- Gemeindetrennung Schandorf – Landesgesetzblatt Burgenland (RIS)
- Dorfmuseum – Gemeinde Schandorf
- Flora & Fauna – Gemeinde Schandorf
Stand der Angaben: 08.10.2026
