PRIGGLITZ KENNENLERNEN
Prigglitz: Kupfer, Kirche und Kunst im Gasteil
Prigglitz liegt im Bezirk Neunkirchen auf einer Terrasse über dem Schwarzatal. Die Gemeinde zählt 435 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 17,97 Quadratkilometer. Ihre Geschichte reicht von einer bronzezeitlichen Bergbausiedlung bis zu einem heutigen Kunst- und Landwirtschaftsprojekt am Gut Gasteil.
Kupfer am Gahns
Bei Prigglitz-Gasteil lag in der späten Bronzezeit ein Ort, an dem mehrere Arbeitsschritte der Kupferproduktion zusammenkamen. Im Tagebau wurde Erz gewonnen; auf den Terrassen über dem Abraum folgten Aufbereitung, Verhüttung und die Verarbeitung des Metalls zu Bronzeobjekten. Die Fundstelle erstreckt sich über ungefähr drei Hektar. Eine erste Ausgrabungsserie fand 1956 und 1958 statt, geleitet von Franz Hampl und Robert Mayrhofer. Peter Trebsche nahm die Forschung 2010 wieder auf; Grabungen bis 2014 sowie geophysikalische Messungen und Bohrungen der Folgejahre untersuchten Geländeform und Arbeitsbereiche genauer. Die Datierung weist in die jüngere Urnenfelderzeit, etwa zwischen 1080 und 800 vor Christus.
Ein Kirchenbau in mehreren Etappen
Die Nikolauskirche im Ortskern verbindet ein romanisches Langhaus mit späteren Erweiterungen. Der Chor entstand um 1300; 1344 ist eine Kaplaneistiftung überliefert, die mit dem Bau des südlichen Seitenschiffs verbunden wird. Im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts erhielt das Mittelschiff sein Netzrippengewölbe, die Sakristei kam 1536 hinzu. Das nördliche Schiff wurde im späten 16. Jahrhundert ergänzt. Pfarrer Leopold Sommerer ließ 1727 einen Marienaltar von Philipp Lafleur schaffen; auch die Kanzel trägt eine Inschrift aus seiner Amtszeit, datiert auf 1733. Der Altar aus Lindabrunner Stein ersetzte 1963 den baufälligen Hochaltar. Die Kirche ist dem heiligen Nikolaus geweiht; am Patriciustag im März wird traditionell Kirtag gefeiert.
Gut Gasteil als begehbares Kunstareal
Der Wiener Rechtsanwalt Max Silberberg ließ Gut Gasteil 1920 bis 1924 nach Plänen Hubert Gessners erbauen. Jutta Jary übergab den Besitz 1988 an Charlotte und Johannes Seidl, die das Gut seit 1989 als Ort für Kunst entwickelten. Die beiden Bildhauer richteten eine Galerie ein, in der jedes Jahr vier Ausstellungen zeitgenössischer Kunst stattfinden. Für „Kunst in der Landschaft“ werden im Zweijahresrhythmus internationale Künstler eingeladen; ihre Arbeiten verteilen sich über 16 Hektar Wiesen und lassen sich zu Fuß erkunden. Das Areal bleibt zugleich landwirtschaftlich genutzt: Der Hof widmet sich unter anderem Jura-Schafen, Lammfleisch und Schafprodukten sowie Obst. Der Betreiber nennt für 2026 Öffnungszeiten von April bis Anfang November sowie an vier Dezembertagen, jeweils an Wochenenden und Feiertagen.
Gehöfte und Wege am Gahns
Der Ort liegt nördlich von Gloggnitz, oberhalb der Nebelfelder des Schwarzatals. Die Gemeinde beschreibt Prigglitz als Ausgangspunkt für Wanderungen und Radtouren; ein regionales Ausflugsprofil nennt die Pottschacher Hütte auf 914 Metern als Ziel einer ungefähr einstündigen Wanderung. Gut Gasteil liegt oberhalb des Ortsplatzes: Von Gloggnitz führt die Zufahrt zunächst am Bahnhof vorbei und unter der Bahn hindurch, anschließend steigt die Straße nach Prigglitz an. Auf den Wiesen rund um den Hof stehen die Kunstwerke zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Prigglitz – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- A mining subsidence event around 920 BC in the Late Bronze Age copper mine of Prigglitz-Gasteil
- Prigglitz – Hl. Nikolaus
- Gut Gasteil – Charlotte Seidl
- Prigglitz – Niederösterreich
Stand der Angaben: 09.10.2026
