LINGENAU KENNENLERNEN
Lingenau zwischen Käsewirtschaft und Brücken
Lingenau liegt auf 685 Metern im Vorderen Bregenzerwald. Die Gemeinde zählt 1.588 Einwohner (1. Jänner 2026) und umfasst 6,89 Quadratkilometer. Eine Besonderheit sind die Brücken über Bregenzerach und Subersach, die das Dorf mit seinen Nachbarn verbinden.
Höhenlage und Schluchten
Lingenau liegt auf einer Geländeterrasse über den Schluchten der Bregenzerach und Subersach. Der Höhenunterschied zu den Flüssen macht Brücken und Wege zu zentralen Teilen der Infrastruktur. Rund dreißig Prozent der Fläche sind bewaldet; Wiesen prägen das übrige Bild. Die Gschwendtobelbrücke verbindet Lingenau mit Großdorf in Egg, die Hochbrücke führt über die Bregenzerach. Die Hochbrücke ist 370 Meter lang und als Stahlbetonbogen konstruiert. Beide Bauwerke zeigen, wie die Topografie Verkehrswege beeinflusst. An Subersach und Bregenzerach liegen zudem Badeplätze; die steilen Hänge und Flussufer erfordern umsichtiges Verhalten. Die Gemeinde gehört zum Naturpark Nagelfluhkette; Wiesen, bewaldete Hänge und tiefe Tobel bestimmen den Landschaftswechsel. Die 1969 eröffnete Hochbrücke führt nach Müselbach; der Übergang nach Großdorf liegt dagegen über der Subersach. Die beiden Brücken erschließen damit unterschiedliche Seiten des Dorfes und bleiben wichtige Verkehrsachsen.
Milchwirtschaft und Gewerbe
Für 2024 erfasst die Arbeitsstättenzählung 214 Arbeitsstätten und 673 Beschäftigungsverhältnisse am Arbeitsort Lingenau; 71 Prozent der Erwerbstätigen mit Wohnsitz im Ort pendelten aus. Die Milchwirtschaft ist dennoch eine sichtbare örtliche Tätigkeit. Die Sennerei Lingenau verarbeitet frische Heumilch aus der Region zu Bergkäse in verschiedenen Reifestufen, Emmentaler und Butter. Im Sennereiladen werden diese Produkte vor Ort verkauft. Die Käsestraße organisiert Verkostungen und zeigt im Bregenzerwälder Käsekeller Erzeugnisse ihrer Mitgliedsbetriebe. Neben den Höfen tragen Handwerk, Handel und Dienstleistungen zur lokalen Versorgung bei.
Käse und Verbindungen
Lingenau wurde 1227 als „Lindigenowe“ erwähnt. Im 18. Jahrhundert gewann die Milchwirtschaft gegenüber dem Ackerbau an Bedeutung. 1718 führte der Senn Büchele die Fettsennerei ein; die Käseerzeugung wurde zu einem prägenden Gewerbe. Auch die Wege über die Schluchten veränderten sich: Im 19. Jahrhundert konstruierte Alois Negrelli eine gedeckte Holzbrücke über die Subersach, als die alten Saumpfade für Fuhrwerke nicht mehr genügten. Nach einem Brand 1866 wurde die Pfarrkirche von 1868 bis 1871 in neuromanischen Formen wiederaufgebaut. Milchverarbeitung, Verkehrswege und Kirchenbau zeigen unterschiedliche Phasen der Ortsentwicklung.
Brücken und Baukultur
Die Schluchten lassen sich an mehreren Bauwerken ablesen. Die Gschwendtobelbrücke wurde von 1979 bis 1981 gebaut und ist heute die Hauptverbindung nach Großdorf in Egg. Anders als diese Straßenbrücke überspannt der 57 Meter lange Drahtsteg die Subersach etwa 15 Meter über dem Wasserspiegel als schmaler Übergang für Fußgänger. Im Dorf steht die St.-Anna-Kapelle mit kreuzförmigem Grundriss, barockem Innenraum und einem kleinen Dachreiter. In der Pfarrkirche treffen der neuromanische Wiederaufbau und spätere Umgestaltungen aufeinander. Wer regionale Produkte kennenlernen möchte, findet im Bregenzerwälder Käsekeller eine öffentlich zugängliche Genusswelt. Führungen durch die Pfarrkirche können bei der Pfarre gebucht werden.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Lingenau – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Geschichte – Lingenau
- Architektur – Lingenau
- Käsestraße Bregenzerwald
- Schwimmen – Lingenau
- Kontakt und Standort – Lingenau
- Statistik Austria – Arbeitsstättenzählung 2024, Gemeindeergebnisse
- Schülerbetreuung in Lingenau
- Sennerei Lingenau – Produkte
Stand der Angaben: 15.10.2026
