HOHENTHURN KENNENLERNEN
Hohenthurn: Römische Spuren und Wehrkirchen im Unteren Gailtal
Hohenthurn liegt im Unteren Gailtal an den Nordhängen der Karnischen Alpen. Die Gemeinde zählt 880 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) auf 27,18 Quadratkilometern. Keltische und römische Fundplätze, slowenische Kulturgeschichte und zwei Kirchen prägen den Ort.
Sechs Ortschaften am Talrand
Die Gail bildet die nördliche Grenze des Gemeindegebiets, die Gailitz begrenzt es im Osten. Die Gemeinde umfasst zwei Katastralgemeinden und sechs Ortschaften: Achomitz, Draschitz, Dreulach, Göriach, Hohenthurn und Stossau. Ihr Zentrum liegt auf etwa 638 Metern Seehöhe. Der Name Straja vas ist die slowenische Form von Hohenthurn; auch mehrere Ortschaftsnamen werden zweisprachig geführt. Im Bereich des Dreulacher Mooses befindet sich die Derther Platte mit einem keltischen Hügelgräberfeld. In Achomitz stehen Skisprungschanzen. Vier Freiwillige Feuerwehren sind in den Ortschaften aktiv. Die A2, die Gailtal Straße B111 und die L27a erschließen die Gemeinde. Die Rudolfsbahn tangiert den Südosten; der Bahnhof Arnoldstein liegt rund fünf Kilometer östlich.
Von der Höhensiedlung zum römischen Wachturm
Nahe Dreulach lag vom 10. bis zum 6. Jahrhundert vor Christus eine hallstattzeitliche Höhensiedlung. Später wurde an dieser Stelle ein römischer Wehrturm errichtet, der um 200 nach Christus zerstört wurde. In Hohenthurn selbst ist der Ort 1253 unter der Bezeichnung Göströsdorf schriftlich erwähnt. Die heutige Anlage der Göriacher Kirche entstand zwischen 1489 und 1516. Das vierjochige Langhaus führt in einen eingezogenen Chor mit 3/8-Schluss; Maßwerkfenster gliedern den spätgotischen Bau. Die spätgotische Friedhofskapelle östlich der Kirche wurde 1489 gemeinsam mit dem Friedhof geweiht.
Mariae Namen und der Turm des heiligen Cyriacus
In Göriach steht die Pfarrkirche Mariae Namen, in Hohenthurn die Filialkirche zum heiligen Cyriacus. Die Pfarrkirche war bis ins 19. Jahrhundert ein regionaler Wallfahrtsort. Bauern besuchten sie besonders an den Gedenktagen der beiden Heiligen Valentin, die am 7. Jänner und am 14. Februar gefeiert werden. Beim Türkeneinfall 1478 wurde das frühere Gotteshaus zerstört. Der massige Turm diente auch der Verteidigung. Ein südliches Seitenportal trägt die Jahreszahl 1663. Der Turm der Filialkirche Hl. Cyriacus in Hohenthurn war ebenfalls ein Wehrturm.
Slowenische Kultur und Vereinsleben
Seit der Besiedlung durch Karantaner-Slawen im 6. Jahrhundert ist die Geschichte des Unteren Gailtals eng mit slowenischer Kultur verbunden. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Gegend weitgehend slowenischsprachig. 1904 entstand in Achomitz der katholische slowenische Bildungsverein Zilja. Initiatoren waren Franz Schaubach und Franz Grafenauer; den ersten Vorsitz übernahm Franc Kriegl. Die Mitglieder trafen sich im Gasthaus Hrepec, führten eine Bibliothek, ein Tamburizza-Orchester und Theater unter Leitung von Marija Zwitter. Während der NS-Zeit wurde der Verein verboten. Die Gemeindechronik „Geschichte eines Lebensraumes und seiner Menschen“ erschien 2009. Feistritz an der Gail wurde 1973 Hohenthurn angeschlossen und 1991 wieder eigenständig.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Hohenthurn – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Über die Gemeinde – Gemeinde Hohenthurn
- Ein Rundgang durch die Gemeinde Hohenthurn – Geschichtsverein für Kärnten
- Chronik – Gemeinde Hohenthurn
- Gemeindezeitung Ausgabe 2/2005 – Gemeinde Hohenthurn
- Kärntner Gemeindestruktur-Verbesserungsgesetz § 59
- 30-jähriges Jubiläum der eigenständigen Gemeinde Feistritz an der Gail
- Pfarrkirche Göriach/Gorje – Katholische Kirche Kärnten
Stand der Angaben: 08.10.2026
