ERNSTHOFEN KENNENLERNEN
Ernsthofen: Kirchen am wechselnden Ennsufer
Ernsthofen liegt im Westen des Mostviertels direkt an der Enns, die hier Niederösterreich von Oberösterreich trennt. Am 1. Jänner 2026 zählte die Gemeinde 2.278 Einwohner auf 17,79 Quadratkilometern. Die Enns formte Siedlungen, Verkehrswege und die Lage des Ortskerns.
Siedlungsspuren an der Enns
Das Gebiet war bereits in der Antike besiedelt. Um 400 vor Christus lebten hier Kelten; römische Spuren kamen 1917 bei Gartenarbeiten nahe dem heutigen Hotel Vösenhuber ans Licht. Italienische Kriegsgefangene legten dort 24 Gräber frei, deren Beigaben später in die Zeit um 200 nach Christus datiert wurden. Die Funde werden heute im Museum der Stadt Steyr aufbewahrt. Im 7. Jahrhundert ließen sich Bayern in der Gegend nieder. Ortsnamen mit der Endung „-ing“ erinnern an diese Siedlungsphase: Rubring geht auf Ruedwaring, Weindlau auf Ebrafing zurück.
Ein Ortskern zieht auf höheres Gelände
Das erste Gotteshaus ist 1377 belegt. Es stand als gotische Marien-Wallfahrtskirche direkt am Ennsufer, wo wiederkehrende Überschwemmungen den Bau bedrohten. 1665 wurde der Grundstein der abgetragenen Kirche für den Neubau am höher gelegenen Loderleiten-Hang eingewogen. Der neue Bau erhielt die Maße des Vorgängers und wurde 1687 von Bischof Johannes Maximus aus Passau geweiht. Der Ortskern verlagerte sich mit Kirche und Friedhof vom Fluss weg; die Siedlungen Ober- und Unterernsthofen entstanden am sichereren Hang. Die Pfarrkirche trägt den Namen Maria Rast. Im Jahr 1781 erhielt Ernsthofen einen eigenen Vikar und ein neues Pfarrhaus; am 1. Oktober 1939 wurde die Gemeinde zur selbständigen Pfarre erhoben.
Maria Rast: Architektur und Ausstattung
Die barocke Fassade gliedert eine Kirche mit einspringendem Chor und südlich angesetztem Turm. Im Inneren führt ein vierjochiger Saalraum mit Stichkappentonnengewölbe in das schmalere, einjochige Presbyterium. Der freistehende neuromanische Hochaltar trägt ein Bild der Heiligen Familie bei der Rast auf dem Weg nach Ägypten; flankierende Figuren zeigen Anna und Joachim. Im linken Seitenaltar steht das barocke Gnadenbild der Madonna, der rechte ist dem Kreuz gewidmet und trägt ein Kruzifix von 1900. Eine gotische Marienstatue um 1420 befindet sich in einer Kapelle beim Taufbecken. Bei der Renovierung 1996/97 erhielt der Kirchenraum einen Natursteinboden und einen neu gestalteten Altarbereich mit Zelebrationsaltar und Ambo aus italienischem Sandstein.
St. Wolfgang in Kanning
Im Ortsteil Kanning steht die Filialkirche zum heiligen Wolfgang, ein spätgotischer, turmloser Bau. Der netzrippengewölbte Chor besitzt große Maßwerkfenster; die steinerne Kanzel am Triumphbogen stammt aus spätgotischer Zeit. Im barocken Hochaltar steht eine Wolfgangsfigur, und eine Orgel des Orgelbauers Nikolaus Rummel wurde 1871 aus der Pfarrkirche hierher übertragen. Der Förderverein St. Wolfgang Kanning wurde 1999 gegründet, um das historische Gebäude zu erhalten und wieder kulturell zu nutzen. Seit 2006 finden dort Veranstaltungen statt.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
