ADERKLAA KENNENLERNEN
Aderklaa: Dorfanger zwischen Kirche und Schlachtfeld
Aderklaa liegt im Marchfeld nahe der Wiener Stadtgrenze. Die Gemeinde zählt 220 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 8,63 Quadratkilometer. Ihr Angerdorf, die Kirche und die Schauplätze der Schlacht bei Wagram geben dem kleinen Ort ein ungewöhnlich dichtes historisches Profil.
Ein Dorfgrundriss mit wenigen Zugängen
Der Ort ist als Angerdorf angelegt: Zwei Straßenzüge vereinigen sich am Ende des Angers und verlassen die Siedlung als gemeinsame Straße. Dadurch entstanden nur zwei Ortseingänge, die sich leichter verteidigen ließen. Im geschützten Anger konnte bei Gefahr auch Vieh untergebracht werden. Ein Bach durchfloss das Dorf; er hielt Steig- und Regenwasser zurück und speiste Schwemmen am Ortsrand, die beim Löschen von Bränden wichtig waren. Die offene Marchfeldlandschaft beginnt unmittelbar außerhalb der Bebauung. Aderklaa ist eine politische Gemeinde und zugleich eine Katastralgemeinde gleichen Namens. Die Kirche liegt mitten im Anger und setzt einen markanten Bezugspunkt in den historischen Grundriss.
Von Atychla bis zum Wappen
Besiedlungsspuren reichen von der Jungsteinzeit und Bronzezeit über Hallstatt- bis in die La-Tène-Zeit. 1258 erscheint der Ort im Zehentverzeichnis Rationarium Austriacum als „Atychla“. Das Dorf wurde 1683 im Zuge der zweiten Wiener Türkenbelagerung verwüstet. Weit größere militärische Ereignisse erreichten Aderklaa 1809: Vom 16. bis 21. Mai hatte Erzherzog Carl hier sein Hauptquartier, ehe die Armeen Napoleons und Österreichs im Juli im Marchfeld aufeinandertrafen. Am 5. und 6. Juli gehörte Aderklaa zu den Schauplätzen der Schlacht bei Wagram. Ein Gedenkstein erinnert an die Kämpfe und die sächsischen Truppen, die unter dem französischen Marschall Bernadotte hier fielen. 2009, zum zweihundertsten Jahrestag, erhielt die Gemeinde ihr Wappen.
Eine Kapelle, mehrere Kirchen
Im 17. Jahrhundert diente ein Gewölbe im Dorf als Kapelle; ein alter Turm mit zwei Glocken gehörte zu einer Wehranlage. Der Altarstein wurde 1686 geweiht. Ab 1691 durfte zu bestimmten Festtagen die Messe gelesen werden. 1739 wurde die Kapelle erweitert, 1787 kam eine Sakristei hinzu. Seit 1784 gehört die örtliche Filialkirche zur Pfarre Deutsch-Wagram; zuvor war sie der Pfarre Gerasdorf zugeordnet. Während der französischen Invasion 1809 wurde die Kapelle zerstört und 1811 mit Unterstützung mehrerer Nachbargemeinden wieder aufgebaut. Wegen ihres schlechten Zustands und ihrer geringen Größe beschloss die Gemeinde 1851 einen Neubau. Die neue Kirche wurde im Oktober desselben Jahres eingeweiht.
Neubau am Anger und steinerne Erinnerungen
Als die alte Kirche 1963 renovierungsbedürftig war, entschied sich die Gemeinde für einen Neubau mitten im Dorfanger. Die Grundsteinlegung erfolgte im November 1963, die Einweihung am 20. Juni 1965. Kurt Eckel und Sepp Stein entwarfen den schlichten Saalbau; Josef Mikl gestaltete die Glasfenster, Fritz Tiefenthaler das Betonrelief an der Stirnseite mit Szenen aus der Heilsgeschichte. 1973 wurde die Kirche als vorbildliche Leistung anerkannt und unter den Schutz der Haager Konvention gestellt. Das Kriegerdenkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs entstand 1959 nach einem Entwurf des Bildhauers Edwin Grienauer. Der Friedhof wurde 1876 angelegt; ein Wegkreuz Richtung Deutsch-Wagram stammt vermutlich aus der Zeit um 1680.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
