SIERNDORF KENNENLERNEN
Sierndorf: Marktort mit Schlosskapelle der Frührenaissance
Sierndorf ist eine Marktgemeinde im Bezirk Korneuburg. Am 1. Jänner 2026 lebten hier 3.973 Menschen; das Gemeindegebiet umfasst 55,08 Quadratkilometer. Seine Geschichte führt vom mittelalterlichen Dorf über die Markterhebung von 1497 bis zur heutigen Großgemeinde.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · 12. Juli 2012 – 515 Jahre Marktrecht
Vom „Syrndorf“ zum Markt
Die Gemeinde führt den Ortsnamen auf einen „Syrni“ zurück. Als „Syrndorf“ erscheint der Ort 1282 erstmals in einer Urkunde. Ein im Haus-, Hof- und Staatsarchiv überliefertes Konzept dokumentiert die Erhebung durch Maximilian I. am 12. Juli 1497. Der damals noch römisch-deutsche König verlieh das Recht den Brüdern Zelking, die ein Jahr zuvor die Herrschaft erworben hatten.
Quellen: 12. Juli 2012 – 515 Jahre Marktrecht · Das Marktwappen
Eine mittelalterliche Veste wird neu gestaltet
Das Schloss geht auf die Herren von Sierndorf zurück. Propst Stephan von Klosterneuburg, ein Familienmitglied, wird mit der Rettung der Verduner Tafeln bei einem Stiftsbrand verbunden; die Gemeinde überliefert diese Episode als lokale Geschichte. Um 1510 ließ Wilhelm von Zelking die ältere Veste so umfassend umbauen, dass nur wenige Mauern und die Fundamente der Umfassungsmauer mittelalterlich blieben. Die Schlosskapelle erhielt dabei mehr Raum. Ihr Sandstein-Flügelaltar von 1516 gehört zur Frührenaissance; Büsten zeigen Wilhelm und seine Frau Margaretha. Nach dem Verkauf an Ruprecht von Herberstein 1604 blieb das Anwesen über ein Jahrhundert in dieser Familie. 1674 heiratete Maria Susanna, eine Erbin der Herrschaft, Albrecht Ernst von Gurland; bis 1699 brachte sie den gesamten Besitz zusammen. Im 18. Jahrhundert folgten Erbschaftswechsel. Seit 1756 ist das Schloss im Besitz der Familie Colloredo-Mannsfeld, unterbrochen durch die Enteignung während der NS-Zeit.
Quellen: Geschichte von Sierndorf · Sierndorf
Schlosskapelle und Pfarrkirche
Die Schlosspfarrkirche Mariä Geburt ist in der Stiftungsurkunde von 1313 erwähnt und diente zunächst als private Kapelle. Eine Kirche am Friedhof, dem heiligen Johannes geweiht, erscheint 1357 in den Quellen; spätestens 1648 war sie Pfarrkirche. Nach ihrer Aufhebung im Zuge der josephinischen Reformen wechselte die Pfarrfunktion 1783 zurück zur Schlosskirche. Deren Innenraum wurde später barockisiert, wobei der ältere Altar überbaut wurde. Ein Brand beschädigte den Turm, der 1878 abgetragen werden musste. 1896 wurde das Gotteshaus neu gestaltet: Es erhielt Maßwerkfenster und ein Gewölbe in Monier-Bauweise. Die Glocken hängen seit 1923 in einer außen angeordneten Anlage. So lassen sich am selben Bau private Herrschaftskapelle, Pfarrkirche und mehrere Umbauphasen ablesen.
Die Großgemeinde entsteht
Sierndorf blieb nicht auf den historischen Marktort beschränkt. Mit 1. Jänner 1970 schlossen sich Sierndorf, Oberhautzental, Unterhautzental, Senning und Untermallebarn zu einer Großgemeinde zusammen. Ein Jahr später kamen Höbersdorf, Oberolberndorf, Obermallebarn und Unterparschenbrunn hinzu. Diese schrittweise Vereinigung erklärt die neun Katastralgemeinden des heutigen Gemeindegebiets. Auch das Wappen verbindet zwei Ebenen: Es übernimmt das Zeichen der Herren von Sierndorf und ergänzt es um eine schräg gestellte Ähre als Hinweis auf die agrarische Prägung. Die Wappenurkunde wurde der Gemeinde 1981 überreicht.
Quellen: Das Marktwappen
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
