SIGMUNDSHERBERG KENNENLERNEN
Sigmundsherberg: Bahnknoten und Erinnerungspfad
Sigmundsherberg liegt am nordöstlichen Rand des Horner Beckens, wo Bahnlinien den Ort seit dem 19. Jahrhundert prägen. Die Marktgemeinde zählt 1.708 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 47,95 Quadratkilometer. Die Pulkau ist das größte Gewässer im Gebiet. Eine Steinklinge belegt eine Besiedlung bereits in der Jungsteinzeit. Zur Gemeinde gehören acht Ortschaften.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Marktgemeinde Sigmundsherberg – Wissenswertes
Wie aus dem Dorf ein Eisenbahnknoten wurde
Die Franz-Josefs-Bahn erreichte Sigmundsherberg zwischen 1867 und 1870. 1872 kam die Verbindung nach Zellerndorf hinzu; 1889 verband die Kamptalbahn den Ort mit dem Kamptal und machte ihn zum Bahnknoten. Noch 1880 zählte Sigmundsherberg erst 28 Häuser und 251 Einwohner. 1900 waren es 49 Häuser und 538 Einwohner. Die Bahn brachte Infrastruktur und Wachstum: 1902 erhielt die Franz-Josefs-Bahn ein zweites Gleis, 1911 kam elektrischer Strom in den Ort. Der Bahnhof liegt auf 436 Metern Seehöhe. Das Waldviertler Eisenbahnmuseum, laut Betreiber zwei Gehminuten vom Franz-Josefs-Bahnhof entfernt, vermittelt die Entwicklung anhand von rund 600 Exponaten. Zu sehen sind unter anderem ein historischer Wartesaal, eine Fahrdienstleitung, ein Stellwerk, Draisinen und das seit 1880 bestehende Heizhaus. Es zeigt zudem historische Betriebsmittel aus der Monarchie, der Zeit der Deutschen Reichsbahn und den Jahren bis zum Staatsvertrag. Laut Betreiber ist das Museum saisonal von April bis Oktober geöffnet; Gruppen können nach Anmeldung kommen.
Quellen: Sigmundsherberg – Wikipedia, feste Artikelversion · Waldviertler Eisenbahnmuseum – Das Museum · Waldviertler Eisenbahnmuseum – Eintritt und Öffnungszeiten
Das Lager und seine Nachwirkungen
1915 entstand in Sigmundsherberg ein Kriegsgefangenenlager der österreichisch-ungarischen Monarchie. Es war für 40.000 Soldaten und 1.400 Offiziere ausgelegt. Zunächst wurden russische Gefangene festgehalten; ab Sommer 1916 waren es fast ausschließlich Italiener. Das Lager wurde 1919 aufgelöst. Auf dem Friedhof ruhen laut Gemeinde 2.363 Italiener, 75 Russen, neun Serben, neun Montenegriner, acht Rumänen und 29 Angehörige der kaiserlich-königlichen Armee. Ein eigener Gleisanschluss diente dem Lager. Im Dezember 1920 tauschte die Gemeinde ihr während der Nachkriegsinflation ausgegebenes Notgeld gegen gesetzliches Geld zurück. Schon 1923 verzeichnete der Ort insgesamt 102 Häuser und 906 Einwohner.
Quellen: Marktgemeinde Sigmundsherberg – Wissenswertes · Sigmundsherberg – Wikipedia, feste Artikelversion
Der Weg durch das ehemalige Lagerareal
Zum hundertsten Jahrestag des Lagerbeginns eröffnete die Marktgemeinde 2015 einen 4,2 Kilometer langen Gedenkweg. Zehn Tafeln erläutern auf Deutsch, Englisch und Italienisch die verschiedenen Lagerabteilungen, den Alltag der Gefangenen und ihr Schicksal. Der Rundweg führt über das ehemalige Lagergelände und macht dessen räumliche Ausdehnung nachvollziehbar. Das Eisenbahnmuseum zeigt zusätzlich ein Modell des Lagers im Maßstab 1:360.
Quellen: Marktgemeinde Sigmundsherberg – Wissenswertes · Waldviertler Eisenbahnmuseum – Das Museum
Ortskirche und Gemeindeverband
Die Pfarrkirche Sigmundsherberg ist dem heiligen Christophorus geweiht. Die Gemeinde nennt 1937 als Baujahr und erinnert an eine Fahrzeugsegnung, die meist Ende Juli stattfindet. Der Landtag beschloss die Markterhebung 1961; gefeiert wurde am 27. Mai 1962. Mit der niederösterreichischen Kommunalstrukturverbesserung wurden 1972 Brugg, Kainreith, Missingdorf, Rodingersdorf, Röhrawiesen, Sigmundsherberg, Theras und Walkenstein zur heutigen Gemeinde zusammengelegt.
Quellen: Marktgemeinde Sigmundsherberg – Wissenswertes · Sigmundsherberg – Wikipedia, feste Artikelversion · Waldviertler Eisenbahnmuseum – Das Museum
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
