SOOSS KENNENLERNEN
Sooß: Wehrkirche und Weinberge
Sooß ist eine Marktgemeinde im Bezirk Baden. Am 1. Jänner 2026 hatte sie 1.065 Einwohner und eine Fläche von 5,49 Quadratkilometern. Der Ort liegt zwischen Baden und Bad Vöslau am Übergang vom Wiener Becken zu den östlichen Ausläufern des Hohen Lindkogels.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Sooß – Wikipedia, feste Artikelversion
Lindkogel und Weinbau
Das Gelände steigt vom östlichen Beckenrand auf rund 250 Meter Seehöhe nach Westen auf mehr als 700 Meter an. Mehr als die Hälfte der Gemeindefläche ist bewaldet; knapp ein Viertel entfällt auf Weingärten, etwa ein Zehntel auf landwirtschaftlich genutzte Flächen. Lehmige Böden prägen das Weinbaugebiet rund um den Ort. Sooß besitzt keine weitere Katastralgemeinde. Die Hochquellenwasserleitung I. Wiener Wasserleitung durchquert das Gemeindegebiet. Der Wechsel von dicht bewaldeten Hängen zu offenen Rebflächen ist innerhalb des kleinen Gemeindegebiets deutlich ausgeprägt.
Drei Quellen und frühe Siedlung
Funde datieren menschliche Besiedlung in die Jungsteinzeit, etwa zwischen 3000 und 2200 vor Christus. Für die Region wird Weinbau schon für die Zeit des Königreichs Norikum im zweiten vorchristlichen Jahrhundert angegeben. Eine örtliche Deutung bringt den Namen Sooß mit drei Quellen in Verbindung. Eine urkundliche Erwähnung ist um 1200 im Traditionsbuch des Zisterzienserstifts Heiligenkreuz überliefert. 1848 wurde Sooß eine selbständige Gemeinde; 1957 erhielt es das Marktrecht.
Quellen: Sooß – Wikipedia, feste Artikelversion · Gemeinde Sooß – Geschichte von Sooß
Kirche der heiligen Anna
Nördlich des Orts liegt auf freiem Feld die der heiligen Anna geweihte Kirche. Ihre Entstehung wird auf den Beginn des 14. Jahrhunderts datiert. Eine Urkunde von 1319 belegt, dass Klein-Mariazell auf Abgaben verzichtete, falls im Ort eine eigene Kapelle errichtet würde. Die Kirche ist von Friedhofsmauer und doppelter Umwallung umgeben; ein Graben gehörte zum wehrhaften Ausbau. Das frühgotische Langhaus besitzt zwei quadratische Joche und gotische Kreuzgewölbe. Spätere Umbauten brachten barocke Veränderungen. Der Friedhof umfasst ein schmiedeeisernes Kreuz des Wiener Glockengießers Andreas Klein, der 1786 starb. Bis 1783 war Sooß eine Filiale der Pfarre Baden. Der quadratische Chorraum liegt unter dem Turm. Neben dem Friedhof befindet sich ein eigener Cholerafriedhof für die 1831 Verstorbenen; dort ruht auch der Afrikaforscher Oskar Lenz.
Quellen: Gemeinde Sooß – Kirche St. Anna
Reblaus und Lausturm
Zwischen 1880 und 1890 vernichtete die Reblaus die Weingärten von Sooß. Manche Winzer gaben den Weinbau vorübergehend auf und wechselten zur Milchwirtschaft; Milch wurde nach Baden und Bad Vöslau geliefert. Erst widerstandsfähige amerikanische Unterlagsreben ermöglichten neue Pflanzungen und legten die Grundlage für den modernen Weinbau. Auf dem Kaiserstein, zwischen den Weinbergen nahe der Kirche, steht der Lausturm. Der 1892 errichtete Turm wurde nach Plänen der Wiener Theaterarchitekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer gebaut. Für den erhöhten Standort musste Erdreich aufgeschüttet werden; das Gelände war zuvor ein Steinbruch. Die Bauarbeiten dauerten vom Frühjahr bis nach der Weinernte, danach wurde der Turm mit einem Weinlesefest eingeweiht. Die Erzählung, die letzte Reblaus sei dort in einem Fass bestattet worden, ist Teil der örtlichen Überlieferung. Der Turm befindet sich in Privatbesitz.
Quellen: Gemeinde Sooß – Geschichte von Sooß · Gemeinde Sooß – Der Lausturm · Gedächtnis des Landes – Sooß
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
