STINATZ KENNENLERNEN
Stinatz: Hochzeit, Handwerk und kroatische Stimmen
Stinatz liegt im Südburgenland und hat einen zweiten, kroatischen Namen: Stinjaki. Am 1. Jänner 2026 lebten in der Marktgemeinde im Bezirk Güssing 1.188 Menschen auf rund 9,50 Quadratkilometern. Zur Gemeinde gehören Stinatz und Stinatz-Nord. Besonders deutlich wird die örtliche Prägung bei Hochzeiten, wenn Musik, Sprache und Tracht zusammenkommen. Doch auch die Pfarrkirche und das Heimathaus erzählen davon, wie sich die Gemeinde über mehrere Jahrhunderte entwickelt hat.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Stinatz – Wikipedia, feste Artikelversion · Österreichische UNESCO-Kommission – Stinatzer Hochzeit
Kroatische Familien und ein neues Marktzeichen
Im 16. Jahrhundert ließen sich im Zusammenhang mit den Türkenkriegen Familien aus Kroatien in der Gegend nieder. Ihre Ansiedlung ist für 1577 urkundlich belegt. Daraus erwuchs eine Sprach- und Kulturtradition, die den Ort bis heute kennzeichnet. Seit 1921 gehört Stinatz zum österreichischen Burgenland. Ein weiterer Einschnitt folgte 1977: Am 2. Juli wurde der Ort zur Marktgemeinde erhoben, zugleich eröffnete das Heimathaus. Die Feier verband damit die neue kommunale Stellung mit einem Ort für die Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit. Siedlungsgeschichte und gelebte Überlieferung bleiben in Stinatz eng miteinander verbunden.
Eine Hochzeit als gemeinsames Ereignis
Die Stinatzer Hochzeit wurde 2020 in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Neben dem Brautpaar übernehmen Kränzlerin und Kränzler wichtige zeremonielle Aufgaben. Gemeinsam holen sie zunächst den Bräutigam und anschließend die Braut ab. Der Hochzeitszug mit Blasmusik macht den Weg zur Trauung zu einem öffentlichen Ereignis. Danach eröffnet ein Tanz vor dem Gast- oder Hochzeitshaus die Feier. Auch Zuschauer gehören zu diesem Geschehen. Die örtlichen Lieder, teilweise in Stinatzer Mundart gesungen, geben der kroatischen Sprache einen hörbaren Platz. Der Brauch lebt dadurch sowohl vom festgelegten Ablauf als auch von der Beteiligung vieler Menschen.
Quellen: Österreichische UNESCO-Kommission – Stinatzer Hochzeit
Handel und Handarbeit in der Festtracht
Zur Hochzeit gehört eine aufwendig gestaltete Tracht. Ihre Geschichte führt über den Ort hinaus: Stinatzerinnen, die in adeligen Haushalten arbeiteten, lernten dort die Kleidung ungarischer Kroaten kennen. Männer brachten von ihren Reisen als Viehhändler Stoffe und weitere benötigte Materialien mit. So trafen auswärtige Anregungen auf örtliches Können. Die Herstellung verlangte erhebliche Arbeit und konnte Familien finanziell stark beanspruchen. Heute macht die Festtracht diese Verbindungen sichtbar. Ihr Erscheinungsbild ist mit der Hochzeitszeremonie verbunden, während das Wissen um Anfertigung und Anlegen innerhalb der Gemeinschaft weitergegeben wird. Kleidung dient hier zugleich als Handwerk und als Träger gemeinsamer Erinnerung.
Quellen: Marktgemeinde Stinatz – Stinatzer Hochzeit · Österreichische UNESCO-Kommission – Stinatzer Hochzeit
Petrus und Paulus am kirchlichen Mittelpunkt
Die Pfarrkirche ist den Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Der Bau entstand 1819 und wurde 1883 erweitert; weitere Umbauten und Erneuerungen folgten, darunter eine Erweiterung 1971/72. Das Gotteshaus besitzt damit mehrere zeitliche Schichten. Die Pfarre selbst besteht seit 1790. Bei einem Blick auf Stinatz ergänzt diese Baugeschichte die Traditionen, die vor allem durch Sprache und Handlungen weitergetragen werden. Während der Kirchenraum wiederholt verändert wurde, blieb er ein Bezugspunkt für religiöse Feiern. Zur Pfarre gehört auch die Filialkirche in Hackerberg; sie liegt in der Nachbargemeinde und ist vom Stinatzer Kirchenbau zu unterscheiden.
Quellen: Diözese Eisenstadt – Pfarre Stinatz
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
