JENNERSDORF KENNENLERNEN
Jennersdorf: Eine Stadt am Fluss und an historischen Übergängen
Jennersdorf liegt im Raabtal im Süden des Burgenlandes, nahe der Steiermark und Ungarn. Die Stadtgemeinde umfasst neben Jennersdorf die Orte Grieselstein, Henndorf im Burgenland und Rax. Auf ihren 37,92 Quadratkilometern lebten am 1. Jänner 2026 insgesamt 4.140 Menschen. Das Zentrum erfüllt Aufgaben für den ganzen Bezirk, während die weiteren Ortsteile bis in die umliegenden Hügel reichen. Zwischen Fluss, Bahnlinie und Stadtpfarrkirche lässt sich ablesen, wie aus einem klösterlich geprägten Dorf ein regionaler Mittelpunkt wurde.
Von Janafalu zur Bezirksstadt
1187 wurde Jennersdorf als Janafalu in einer Urkunde Papst Urbans III. genannt. Bis 1848 gehörte der Ort zum Besitz des Klosters Szentgotthárd. Die Verbindung mit dem heutigen ungarischen Nachbarraum ist damit erheblich älter als die Staatsgrenze. Mit der Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Österreich erhielt Jennersdorf 1921 die Funktion eines Bezirksvorortes. Die Stadterhebung folgte 1977. Diese Entwicklung erklärt, weshalb die Gemeinde neben ihrem ländlichen Umfeld auch Behörden und überörtliche Einrichtungen vereint. Am Stadtbild lassen sich weitere Veränderungen erkennen: In Bahnhofsnähe stehen Villen aus der Zeit nach 1900, deren Jugendstilformen eine andere Bauwelt zeigen als die ältere Pfarrkirche.
Ein Kirchenraum und viele kleinere Kapellen
Die Stadtpfarrkirche ist dem heiligen Wenzel geweiht. Ihr Bau gehört in das späte 18. Jahrhundert; der neugotische Schnitzaltar von 1904 setzt im barock geprägten Raum einen späteren Akzent. Die Diözese verzeichnet mehrere Renovierungen im 20. Jahrhundert, darunter 1955, 1978 und 1996. Zur Pfarre gehört darüber hinaus eine weit verstreute Kapellenlandschaft. In Henndorf steht etwa die 1910 errichtete Hirczy-Kapelle zu Mariä Heimsuchung, in Rax-Stangleck die Heilig-Kreuz-Kapelle von 1969. Solche kleinen Bauten verankern religiöse Tradition auch außerhalb des Stadtkerns. Sie verweisen auf die Eigenständigkeit der Ortsteile und auf die Wege zwischen ihren Siedlungslagen.
Als ein Kaiser auf die Weiterreise wartete
Der Bahnhof liegt an der Bahnverbindung zwischen Graz und Szentgotthárd. Am 5. April 1921 wurde er Schauplatz eines ungewöhnlichen Zwischenhalts: Karl, letzter österreichischer Kaiser und ungarischer König, kam nach einem gescheiterten Versuch zur Rückkehr auf den ungarischen Thron hier an. Jennersdorf war damals noch der letzte ungarische Bahnhof vor Österreich. Karl musste eine Durchreisegenehmigung abwarten, bevor er über Fehring in Richtung Schweiz weiterreisen konnte. Hundert Jahre später erinnerte ein Festakt an diese Episode; am Bahnhofsvorplatz wurde 2021 ein Denkmal enthüllt. Die Bahngeschichte verbindet so einen alltäglichen Verkehrsort mit den politischen Umbrüchen nach dem Ersten Weltkrieg.
Erinnerung an ermordete Zwangsarbeiter
An der Schulstraße erinnert das Mahnmal Minuten, Tage, Jahre an 29 jüdische Zwangsarbeiter, die 1945 von Angehörigen der SS ermordet wurden. Sie waren für den Bau des Südostwalls eingesetzt worden. Der Verein Pulverturm setzte sich für den Erinnerungsort ein; gestaltet wurde das Werk von Jasmin Maria Trabichler. Die Geschichte endete nicht mit dem Verbrechen: Erst 1966 wurden die sterblichen Überreste exhumiert und anschließend auf dem jüdischen Friedhof in Graz beigesetzt. Der Ort ergänzt den Blick auf Jennersdorfs Entwicklung um die Verfolgungsgeschichte des Nationalsozialismus. Er gibt den Ermordeten einen festen Platz im öffentlichen Gedächtnis der Stadt.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Jennersdorf – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Diözese Eisenstadt – Stadtpfarre Jennersdorf
- Historischer Verein Pulverturm – Kaiser Karl in Jennersdorf
- Historischer Verein Pulverturm – Geschichte hinter dem Denkmal
- Universität Graz – DERLA: Mahnmal jüdischer Zwangsarbeiter in Jennersdorf
Stand der Angaben: 08.10.2026
