GRAZ KENNENLERNEN
Historische Stadt und neue Perspektiven
Graz bietet auf engem thematischem Raum sehr unterschiedliche Vorstellungen von Architektur und Repräsentation. Der Uhrturm ist ein vertrautes Zeichen über der Stadt. Das Kunsthaus setzt am Lendkai eine bewusst ungewöhnliche Form dagegen. In Schloss Eggenberg wiederum erzählen historische Innenräume von einem barocken Weltbild. Diese Orte lassen sich als drei Zugänge zu Graz verstehen: über den Stadtblick, über Gegenwartskunst und über die Geschichte adeliger Selbstdarstellung.
Quellen: Graz Tourismus: Uhrturm · Universalmuseum Joanneum: Architektur des Kunsthauses · Universalmuseum Joanneum: Prunkräume Eggenberg
Der Uhrturm und der Blick über Graz
Der 29 Meter hohe Uhrturm steht auf dem Schlossberg und gehört zu den bekanntesten Orientierungspunkten von Graz. Auffällig ist das Verhältnis seiner Zeiger: Der größere zeigt die Stunden an. Der Aufenthalt rund um den Turm verbindet die Betrachtung des Bauwerks mit dem Überblick über die Stadt. Auf den Schlossberg führen Wege und Stufen; daneben gibt es Bahn und Lift als eigene Zugangsmöglichkeiten. Dadurch lässt sich der Besuch unterschiedlich gestalten. Die Außenansicht und eine Führung ins Innere sind jedoch verschiedene Angebote. Wer die Konstruktion und Geschichte des Turms genauer kennenlernen möchte, sollte die dafür vorgesehenen Führungen gesondert prüfen.
Quellen: Graz Tourismus: Uhrturm
Ein ungewöhnlicher Bau am Lendkai
Das Kunsthaus entstand im Zusammenhang mit Graz als Europäischer Kulturhauptstadt 2003. Peter Cook und Colin Fournier entwarfen die auffällige, organisch wirkende Form. Die BIX-Medienfassade bezieht auch den umgebenden Stadtraum in die Wahrnehmung ein. Zugleich wurde der Neubau mit dem historischen Eisernen Haus verbunden, dessen geschützte Fassade erhalten blieb. Damit ist das Kunsthaus nicht nur ein eigenständiges Objekt, sondern auch ein Eingriff in ein gewachsenes Viertel. Seine Lage gegenüber der Altstadt schafft eine weitere Beziehung über die Mur hinweg. Wer das Gebäude betrachtet, kann daher sowohl nach seiner Form als auch nach seiner Rolle für die Stadtentwicklung fragen.
Quellen: Universalmuseum Joanneum: Architektur des Kunsthauses
Ein erhaltenes Ensemble in Eggenberg
Schloss Eggenberg bewahrt eine Folge von 24 Prunkräumen mit historischer Ausstattung aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Beletage vermittelt dadurch einen zusammenhängenden Eindruck höfischer Repräsentation. Gemälde, Möbel und Dekorationen wirken nicht nur einzeln, sondern in der Abfolge der Räume. Zu den besonderen Objekten gehört ein japanischer Paravent mit einer Darstellung von Osaka. Solche Stücke erweitern den Blick über die lokale Geschichte hinaus und zeigen, welche Vorstellungen ferner Welten in die Ausstattung eingingen. Für eine Besichtigung lohnt es sich, auf Übergänge zwischen den Räumen zu achten. Das Ensemble erzählt durch seine Ordnung ebenso wie durch einzelne Kunstwerke.
Ein barockes Weltbild in Bildern
Der Planetensaal ist der Mittelpunkt der Eggenberger Prunkräume. Sein Bildprogramm verbindet die damals gebräuchlichen Vorstellungen von Planeten und Tierkreis mit der Repräsentation der Familie. Hans Adam Weissenkirchers Gemälde ordnen Himmelskörper, Elemente und weitere Sinnbilder zu einem großen Zusammenhang. Diese Symbolik ist aus der Gedankenwelt ihrer Entstehungszeit zu verstehen und nicht als heutiges naturwissenschaftliches Modell. Gerade darin liegt ihr kulturhistorischer Wert. Der Raum zeigt, wie Machtanspruch, Familiengeschichte und Weltdeutung ineinandergreifen konnten. Erläuterungen des Museums helfen beim Entschlüsseln der einzelnen Ebenen. Ein genauer Blick auf Decke und Wände eröffnet daher mehr als den Eindruck einer besonders reich dekorierten Festhalle.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
