ERLAUF KENNENLERNEN
Erlauf und die Erinnerung an den Frieden
Erlauf liegt im Bezirk Melk am gleichnamigen Fluss, rund fünf Kilometer südwestlich von Pöchlarn. Die Marktgemeinde hat 1.109 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und ist 9,69 Quadratkilometer groß. Ortsgeschichte und Friedensgedenken sind hier eng mit der Donauachse verbunden.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Erlauf (Gemeinde) – Wikipedia, feste Artikelversion
Am Unterlauf der Erlauf
Der Unterlauf der Erlauf liegt nahe der Mündung in die Donau. In einer Wohnhöhle auf der Anhöhe über Ofling kamen Gefäßscherben aus der mittleren Bronzezeit zutage. Erlauf wird 823 in einer Urkunde erwähnt, die den Ort dem Bistum Passau übertrug. Später verlief die Poststraße von Wien nach Linz durch den Ort. Hier wechselten die Pferde; zugleich kreuzte die Straße die Eisenstraße, über die Eisenwaren aus dem Erlauftal zur Verschiffung nach Pöchlarn gelangten.
Quellen: Geschichte des Ortes Erlauf
Kirche, Schule und Ortsentwicklung
Die Ortsgemeinde wurde 1850 aus den Katastralgemeinden Erlauf, Harlanden, Knocking und Steinwand gebildet und zählte damals 50 Häuser; 1923 verzeichnet die Chronik 78 Häuser. Die Pfarrkirche entstand 1850 bis 1852 mit erheblicher Hilfe der Bevölkerung, nachdem man jahrzehntelang die Loslösung von der Pfarre Pöchlarn angestrebt hatte. Unterricht durch Hilfslehrer ist schon vor 1800 belegt; bis 1887 blieb die Schule einklassig und betreute etwa 160 Kinder. 1887 kam eine zweite, 1894 eine dritte Klasse hinzu.
Quellen: Geschichte des Ortes Erlauf
Das Treffen der Generäle und sein Erinnerungsort
In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 trafen im damaligen Bürgermeisterhaus der sowjetische General Dmitri Dritschkin und der US-General Stanley Reinhart zusammen. Eine Gedenktafel erinnert seit 1965 daran. Der Impuls kam von jüdischen Emigranten aus Erlauf: 1959 fanden sie in den USA Unterlagen zur Begegnung und sandten sie an ihren früheren Jugendfreund Franz Stangler. 1985 veranstaltete die niederösterreichische Landesregierung hier einen Festakt zum vierzigsten Jahrestag des Kriegsendes. Die Gemeinde kaufte das ehemalige Bürgermeisterhaus 1992 und richtete die Begegnungsräume als Gedenkstätte ein.
Quellen: Friedensgedenkstätte – Gemeinde Erlauf · Museum ERLAUF ERINNERT – Betreiberseite
Schulalltag und Friedenskunst
Die Schulchronik berichtet von Flüchtlingskolonnen, die in den letzten Kriegsmonaten auf der Bundesstraße nach Westen zogen. Im Schuljahr 1945/46 waren 112 Kinder eingeschrieben; wegen fehlender Lehrkräfte wurden nur zwei statt der vorgesehenen drei Klassen geführt. Inventar und Lehrmittel waren laut Chronikeintrag nicht durch Kriegseinwirkungen beschädigt. Das Denkmalprojekt am Marktplatz wurde 1989 vom Land unterstützt. Die US-amerikanische Künstlerin Jenny Holzer und der sowjetische Bildhauer Oleg Komov besichtigten den Platz 1991; 1995 wurden ihre Arbeiten dort eingeweiht. Komovs Bronzeskulpturen waren ein Geschenk der Sowjetunion; seine Figurengruppe zeigt ein Mädchen zwischen zwei Soldaten. Holzers Anlage bündelt einen Lichtstrahl aus einer Granitsäule in den Nachthimmel. Freiwillige aus Erlauf gestalteten den Platz mit. Seit Mai 2015 zeigt das Museum „ERLAUF ERINNERT“ eine Dauerausstellung auf 250 Quadratmetern. Es verbindet Zeitgeschichte, Erinnerungskultur und Gegenwartskunst; ein Filmraum und ein Kunstarchiv ergänzen die Ausstellung.
Quellen: Friedensgedenkstätte – Gemeinde Erlauf · Schulchronik 1945/46 – Gemeinde Erlauf · Museum ERLAUF ERINNERT – Betreiberseite · Die Friedensdenkmäler von Erlauf – Gemeinde Erlauf
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Erlauf (Gemeinde) – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Geschichte des Ortes Erlauf
- Friedensgedenkstätte – Gemeinde Erlauf
- Schulchronik 1945/46 – Gemeinde Erlauf
- Pfarrchronik 1945–1948 – Gemeinde Erlauf
- Die Friedensdenkmäler von Erlauf – Gemeinde Erlauf
- Museum ERLAUF ERINNERT – Betreiberseite
Stand der Angaben: 08.10.2026
