GMÜND KENNENLERNEN
Gmünd: Stadtplatz, Bahn und offene Grenze
Gmünd liegt im nordwestlichen Waldviertel an der Lainsitz und grenzt unmittelbar an České Velenice. Die Stadtgemeinde zählt am 1. Jänner 2026 5.139 Einwohner; ihre Fläche beträgt 25,11 Quadratkilometer. Stadtplatz, Bahnlinien und Grenzgeschichte erzählen von wechselnden Verbindungen.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Gmünd (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion
Gründung an zwei Flüssen
Der Name Gmünd verweist auf die Mündung von Lainsitz und Braunaubach, die 1179 in einer Grenzurkunde genannt wird. Hadmar II. von Kuenring gründete die befestigte Siedlung um 1200 auf einer Terrasse über der Lainsitzau. 1278 erscheint Gmünd als Markt, 1311 erstmals als Stadt. Der langgestreckte Stadtplatz prägte den mittelalterlichen Grundriss; Schloss und Pfarrkirche lagen an gegenüberliegenden Enden der ummauerten Siedlung. Das Alte Rathaus am Platz war einst Schranne und Sitz von Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Seine Geschichte reicht in das 16. Jahrhundert zurück. Das heutige Schloss ging aus der mittelalterlichen Stadtburg hervor; romanische Reste, ein gotischer Torturm und spätere Erweiterungen bilden die Anlage.
Quellen: Gmünd (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion · Stadtplatz Gmünd · Chronologie der Stadt Gmünd
Eisenbahn und neue Stadtteile
Erzherzog Sigismund ließ sich 1859 in Gmünd nieder und setzte sich für den Ausbau der Bahnanlagen ein. Mit der Eröffnung der Franz-Josefs-Bahn 1869 wuchs die Stadt zum Eisenbahnknoten. Eine Werkstätte und der repräsentative Bahnhof entstanden nordwestlich der Altstadt, damals noch auf dem Gebiet von Böhmzeil und Unterwielands. Die Mexikosiedlung wurde für zugezogene Eisenbahner errichtet. Gmünd liegt am 15. Längengrad; als die Bahn 1891 eine einheitliche Normalzeit einführte, entsprach die örtliche Zeit bereits der späteren Mitteleuropäischen Zeit. Im Jahr 1900 kamen die Schmalspurstrecken nach Litschau und Heidenreichstein hinzu; bis 1903 folgte die Verbindung über Weitra nach Groß Gerungs. Um 1900 beschäftigte die Eisenbahnwerkstätte rund 800 Arbeiter.
Quellen: Gmünd und die Habsburger · Chronologie der Stadt Gmünd · Gmünd (Niederösterreich) – Wikipedia, feste Artikelversion
Eine Grenze zerschneidet den Bahnknoten
Nach dem Ersten Weltkrieg verlief die neue Staatsgrenze zwischen Gmünd und dem Bahnhof. Die Friedensregelung von 1919/20 übertrug den Bahnhof und die umliegenden Vororte an die Tschechoslowakei; daraus entstand 1922 České Velenice. Gmünd baute die verbliebene Haltestelle „Gmünd Stadt“ zum Bahnhof aus. Die Schmalspurbahn nach Litschau und Heidenreichstein führte zunächst noch über tschechoslowakisches Gebiet. Ab 1950 wurde sie auf österreichisches Territorium verlegt; das alte Gleisdreieck nahe dem Übergang Bleyleben diente danach als Wendeschleife. Zwischen 1948 und 1989 trennten Sperranlagen die beiden Städte.
Quellen: Infopoint Eiserner Vorhang
Stadtplatz und Wiederverbindung
Die Fußgängerbrücke am Übergang Bleyleben verbindet heute beide Städte direkt; auf tschechischer Seite erinnert ein rekonstruiertes Stück des Eisernen Vorhangs an die Teilung. Am Gmünder Stadtplatz stehen zwei Sgraffitohäuser aus dem 16. Jahrhundert. Das ältere zeigt eine besonders reiche Diamantierung; der gesamte Platz ist als Denkmalzone geschützt. Im Alten Rathaus befindet sich das Stadtmuseum. 2008 erhielt es eine neue Ausstellung mit Objekten wie dem früheren Gmünder Richtschwert „Else“ und einem Film zur Stadtgeschichte in Deutsch, Englisch und Tschechisch.
Quellen: Infopoint Eiserner Vorhang · Stadtplatz Gmünd · Stadtmuseum Gmünd
Die Granitlandschaft der Blockheide
Der Naturpark Blockheide reicht in das Stadtgebiet von Gmünd und verbindet Wiesen, kleinteilige Äcker und Mischwälder. Dazwischen liegen mächtige Granitblöcke; manche erinnern an Pyramiden oder Brotlaibe, andere sind Wackelsteine. Im Aussichtsturm zeigt eine Ausstellung die Entstehung der Landschaft. Feuchtwiesen bieten Lebensraum für die Sumpfschrecke und seltene Schmetterlinge wie den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
