BRAND-NAGELBERG KENNENLERNEN
Brand-Nagelberg: Glas aus dem Waldviertel
Brand-Nagelberg liegt im Bezirk Gmünd an der tschechischen Grenze. Die Marktgemeinde zählt 1.394 Einwohner (Stand: 1. Jänner 2026) und umfasst 36,65 Quadratkilometer. Glashütten, eine Bahnstrecke und die Pfarrkirche Brand erzählen von ihrer Entwicklung.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Gemeinde Brand-Nagelberg - Herzlich Willkommen
Brand nach dem Waldbrand
Der Name Brand erinnert an ein Feuer, das am 10. Juni 1666 im Heidenreichsteiner Wald wütete. Als Siedlung taucht Brand 1686 in den Quellen auf. Die Öfen brauchten Brennholz; Buchenholzasche wurde aufwendig zu Pottasche verarbeitet. Sand und damit Siliziumdioxid gewann man laut Gemeinde vor allem aus den Bächen der Region. Pottasche senkte Schmelztemperatur und Zähigkeit des Glases. Diese Rohstoffe begünstigten jene Glaserzeugung, die später besonders Alt-Nagelberg prägte.
Quellen: Die Geschichte der Marktgemeinde Brand-Nagelberg · Die Geschichte des Glases und das Glaskunstdorf
Glasöfen in Alt-Nagelberg
Alt-Nagelberg ist 1725 als Standort einer Glashütte urkundlich belegt. Die Gemeindechronik nennt daneben die Gründung der Niklashütte im Jahr 1740. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Glasproduktion unter Carl Stölzle zu einem Großbetrieb. Die Glaskunstseite der Gemeinde beschreibt, wie sich das Unternehmen international ausweitete: Vertriebs- und Produktionsstandorte entstanden unter anderem in London, Mailand, Budapest und New York. Gegen Ende des Jahrhunderts beschäftigte Stölzle in Brand-Nagelberg mehr als tausend Menschen. Formenbau, ein eigenes Sägewerk und eine Brauerei gehörten zum Betrieb. Besonders verbreitet war Hohlglas aus Bleikristall. Beim Überfangen legten Glasmacher farbiges Glas über einen farblosen Körper und trugen die obere Schicht teilweise wieder ab.
Quellen: Die Geschichte der Marktgemeinde Brand-Nagelberg · Die Geschichte des Glases und das Glaskunstdorf
Brände und heutige Glasarbeit
Die Glaserzeugung war durch fehlende Brandschutzmaßnahmen gefährlich; in den Hütten kam es häufig zu Bränden. Größere Betriebe wie Stölzle bauten deshalb eigene Betriebsfeuerwehren auf. Nach dem Ende des Unternehmens wird die Glaskultur laut Gemeinde von kleineren Werkstätten weitergeführt, meist mit ehemaligen Beschäftigten der Fabrik. Heute listet die Gemeindeseite Nagelberger Glaskunst von Andreas Apfelthaler in Alt-Nagelberg und Glasgravur von Armin Schandl in Finsternau. Eine Waldglashütte in Neu-Nagelberg führt sie als derzeit geschlossen. Das Herrenhaus der Familie Stölzle beherbergte bis 1959 das Gemeindeamt; seine Hauskapelle wurde 1841 errichtet. In Alt-Nagelberg zeigt der Infopoint die originale Rekordsektflöte: 20 Glasmacher setzten sie 1999 aus zwei mundgeblasenen Teilen zusammen. Sie ist 1,796 Meter hoch, fasst rund 90 Liter und entstand für die Aktion Licht ins Dunkel.
Quellen: Die Geschichte des Glases und das Glaskunstdorf · Glaskunst – Glasbetriebe in Brand-Nagelberg · Panoptikum Brand-Nagelberg – Herrenhaus Alt-Nagelberg · Weltrekordsektflöte – Marktgemeinde Brand-Nagelberg
Bahn, Pfarrkirche und Marktgemeinde
Brand und Finsternau erhielten 1782 seelsorgliche Betreuung durch die Pfarre Zuggers; zwei Jahre später ordnete die Regierung auf Ansuchen der Gemeinden einen Seelsorger vor Ort an. 1787 wurde der Friedhof geweiht; 1796/97 entstand ein Schulhaus. 1797 fand der erste Gottesdienst statt. Die Pfarrkirche liegt am höchsten Punkt Brands und ist dem heiligen Andreas geweiht. Das Hochaltarbild malte Martin Johann Schmidt 1780; 1786 wurde es aus der aufgelassenen Andreaskirche in Krems nach Brand gebracht. 1809 brannten Kirche, Pfarrhof und Schulgebäude nieder; erst 1909 erhielt der Turm wieder sein Dach im alten Stil. Die Schmalspurbahn erreichte die Gemeinde 1900. Brand wurde 1927 zur Marktgemeinde. Heute ist Brand ein Bedarfshalt am Nordast der Waldviertler Schmalspurbahn.
Quellen: Die Geschichte der Marktgemeinde Brand-Nagelberg · Bahnhof Brand – Waldviertel Tourismus · Panoptikum Brand-Nagelberg – Herrenhaus Alt-Nagelberg
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Brand-Nagelberg – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Gemeinde Brand-Nagelberg - Herzlich Willkommen
- Die Geschichte der Marktgemeinde Brand-Nagelberg
- Die Geschichte des Glases und das Glaskunstdorf
- Glaskunst – Glasbetriebe in Brand-Nagelberg
- Bahnhof Brand – Waldviertel Tourismus
- Pfarren im Dekanat Gmünd – Diözese St. Pölten
- Panoptikum Brand-Nagelberg – Herrenhaus Alt-Nagelberg
- Weltrekordsektflöte – Marktgemeinde Brand-Nagelberg
Stand der Angaben: 08.10.2026
