FEISTRITZ AN DER GAIL KENNENLERNEN
Feistritz an der Gail: Kirchtag im Tal der Grenzberge
Feistritz an der Gail liegt im Unteren Gailtal nahe dem Dreiländereck Österreich–Italien–Slowenien. Die Gemeinde zählt 649 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 19,34 Quadratkilometer. Gail, Karnischer Hauptkamm und ein ungewöhnlicher Findling prägen den Landschaftsraum.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Sehenswertes – Gemeinde Feistritz an der Gail · Chronik Teil 1 – Gemeinde Feistritz an der Gail
Zwischen Gail und Karnischem Kamm
Die Gail bildet den nördlichen Rand des Gemeindegebiets, während es im Süden bis zum Hauptkamm der Karnischen Alpen reicht. Im Südosten bildet der Feistritzgraben über weite Strecken die Grenze. Die Gemeinde besteht aus einer einzigen Ortschaft und Katastralgemeinde, Feistritz an der Gail. In diesem überschaubaren Talraum findet sich ein geologischer Zeuge der Eiszeit: ein fast 15 Tonnen schwerer Quarz-Konglomeratblock. Seine Quarzgerölle liegen in einer glimmerreichen Grundmasse. Das Gestein ist etwa 310 Millionen Jahre alt und stammt aus den westlichen Karnischen Alpen. Vor rund 20.000 Jahren transportierte ein Gletscher den Block über das Gebirge bis in die Gegend des heutigen Dorfes. Das erklärt sein Vorkommen abseits der natürlichen Verbreitung.
Quellen: Sehenswertes – Gemeinde Feistritz an der Gail · Chronik Teil 1 – Gemeinde Feistritz an der Gail
St. Martin über dem Dorf
Die Pfarrkirche steht sichtbar auf einer Terrasse über dem Talboden. Eine Urkunde von 1199 bezeugt eine Kapelle St. Martin, die vom Kloster Moggio betreut wurde und Taufrecht erhielt. Sie war zuvor Filiale der Mutterkirche St. Johann unter dem Dobratsch. Nach dem Bergsturz von 1348 ging diese alte Kirche verloren; Feistritz blieb als kirchlicher Standort bestehen. Der heutige Bau ist eine spätgotische Anlage, wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Turm war einst wehrhaft und wurde nach einem Brand 1885 im oberen Teil erneuert. Am Portal stehen die Jahreszahl 1520 und das Zeichen des Meisters Andrä Kranich. Im Chor liegen Wandmalereien aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die 1948 freigelegt wurden. Der steinerne Hochaltar entstand 1762.
Quellen: Chronik Teil 1 – Gemeinde Feistritz an der Gail · Chronik Teil 2 – Gemeinde Feistritz an der Gail
Kufenstechen und Lindentanz
Am Pfingstmontag wird der Kirchtag mit dem Kufenstechen und dem Lindentanz begangen. Unverheiratete Burschen reiten auf ungesattelten Norikern an einer befestigten Holzkufe vorbei und versuchen, sie mit einer eisernen Keule zu zerschlagen. Der Sieger erhält einen Blumenkranz. Danach beginnt unter der Linde der Tanz, zu dem die Paare in Gailtaler Tracht zusammenkommen. Alte Lieder erklingen auch auf Slowenisch. Der Ursprung des Brauchs ist nicht genau überliefert; mittelalterliche Ritterspiele gelten als mögliche Vorbilder. Die Burschenschaft organisiert auch die Maibaumfeier und den Krampusumzug.
Kapellen zwischen Dorf und Alm
Neben St. Martin gehören zwei Filialkirchen zur örtlichen Überlieferung. Die Kapelle Maria Magdalena, mundartlich Kapala, liegt westlich der Pfarrkirche am Almweg und dürfte bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts bestanden haben. Überliefert ist auch ein eigener Friedhof, der mit den Folgen des Bergsturzes von 1348 in Verbindung gebracht wird. An bestimmten Festtagen und zum Almauftrieb sollte dort eine Messe gelesen werden; mit dem Auftrieb war die Segnung von Vieh und Menschen verbunden. Weiter oben liegt die Kapelle Maria Schnee auf der Feistritzer Alm. Sie wurde am 6. August 1911 geweiht. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ der Feistritzer Kaufmann Anton Achatz das beschädigte Gotteshaus instand setzen; die erneuerte Kapelle wurde 1926 erneut geweiht. Ihr Standort blieb bei der Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg auf österreichischem Gebiet.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
