ZELL KENNENLERNEN
Zell
Zell, slowenisch Sele, liegt in einem abgelegenen Seitental an der Nordseite der Karawanken. Die Gemeinde zählt 587 Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) und umfasst 75,44 Quadratkilometer. Das Hochtal wird von der Koschuta, dem Freiberg und dem Hochobir eingerahmt. Deutsch und Slowenisch gehören zum gelebten Alltag; die Gemeinde führt beide Sprachen auch in ihrer Selbstdarstellung.
Hochtal und Stausee
Der Hauptsiedlungsraum liegt auf dem Talboden, der sich in Ost-West-Richtung erstreckt. Die Gemeindegrenzen reichen von 587 Metern Seehöhe bis in die Hochlagen des Hochobirs. Im Süden bildet die Koschuta mit dem markanten Koschutnikturm die Grenze zu Slowenien; im Norden stehen Ferlacher Horn und Freiberg über dem Tal. Ein Teil des Freibacher Stausees liegt innerhalb des Gemeindegebiets. Er entstand 1958 zur Stromgewinnung. Vor der Aufstauung standen dort einzelne Häuser und Sägen, deren Reste bei niedrigem Wasserstand noch sichtbar werden können. Die drei Katastralgemeinden Zell im Winkel, Zell bei der Pfarre und Zell bei Sonnegg gliedern sieben Ortschaften.
Siedlung und Geschichte
Mündliche Überlieferungen setzen erste Besiedlungsversuche ins 11. Jahrhundert. Urkundlich ist Zell 1280 als „Cel“ belegt. Die Rodungs- und Besiedlungsphase fällt in das 13. und 14. Jahrhundert. Das älteste erhaltene Hollenburger Urbar verzeichnet 1524 bereits 43 Höfe. Zwei Anwesen im Sonnegger Bereich, Meležnik und Kališnik, wurden 1630 als Höfe freier Bauern genannt. Diese Höfe lagen im Bereich der Grundherrschaft Sonnegg und stehen für frühe bäuerliche Selbständigkeit im abgelegenen Tal. Die Ortsgemeinde wurde 1850 geschaffen; das Gemeindeamt befindet sich heute in Zell-Pfarre. Unter Bürgermeister Janko Kelich wurde 1895 die Volksschule eröffnet.
Kirche und Pfarrwesen
Die Pfarrkirche St. Ulrich ist 1364 urkundlich erwähnt. Eine kleine Glocke aus demselben Jahr gehört zu den ältesten erhaltenen Zeugnissen des kirchlichen Lebens im Tal. Mit dem eigenen Friedhof erhielt Zell das Recht, Sakramente zu spenden und wöchentlich Gottesdienst zu feiern; der Kaplan kam dafür aus dem fünf Gehstunden entfernten Kappel an der Drau. Das Pfarrhaus errichteten die Bewohner 1732 und 1733 auf eigene Kosten auf Grund der Herrschaft Hollenburg. 1787 wurde Zell zur selbständigen Pfarre erhoben. In Zell-Pfarre stehen neben der alten gotischen Kirche auch eine neue Pfarrkirche und der Friedhof; die neue Kirche wurde in Eigeninitiative der Bewohner errichtet.
Bergsteigen und Bewirtschaftung
Zwischen Eselsattel und Schaidasattel queren der Südalpenweg, der Kärntner Grenzweg und der Panoramaweg Südalpen die Gemeinde. Seit 2013 gehört Zell zur Initiative der ÖAV-Bergsteigerdörfer, die naturnahen Tourismus im Sinne der Alpenkonvention fördert. Eine alte Sägemühle in Zell ist noch in Verwendung. Zwei Tagesetappen des Karawanken-Weitwanderwegs liegen im mittleren Teil auf Zeller Gemeindegebiet; zentraler Stützpunkt ist das Koschutahaus. Die Abschnitte 2 und 3 des Julius Kugy Alpine Trail führen ebenfalls durch das Gemeindegebiet.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
