REICHENTHAL KENNENLERNEN
Reichenthal: Arbeit am Wasser und im Wald
Der Kettenbach entwässert Reichenthal über die Moldau zur Elbe; alte Mühlen und das heutige Mühlendorf machen die Beziehung zwischen Wasser und Arbeit sichtbar. Der Marktort zählt 1.547 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 1. Jänner 2026) auf 18,85 Quadratkilometern.
Am Kettenbach nahe der Grenze
Reichenthal liegt im nördlichen Mühlviertel, nahe der tschechischen Grenze. Der Kettenbach fließt nach Norden zur Moldau und schließlich zur Elbe; viele Bäche der Region entwässern dagegen zur Donau. Das Gemeindegebiet umfasst mehrere Ortschaften und ein hügeliges Netz aus Tälern, Wald und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Der Bachlauf prägte über Jahrhunderte die Arbeit vor Ort, weil an ihm Mühlen betrieben wurden. Heute lässt sich die Verbindung von Wasser, Landschaft und Technik auf Wanderwegen nachvollziehen. Die Route „Vom Herrensteig zur Höll“ führt über historische Handelspfade durch Felder, Wiesen und Waldstücke. Der kompakte Marktplatz bildet den Ausgangspunkt für Wege in die umliegenden Täler.
Ein älterer Marktort am Salzweg
Reichenthal wurde im 13. Jahrhundert als Marktort angelegt; der Name „Reychenthal“ ist 1357 erstmals urkundlich belegt. Ein Zweig des Linzer Steigs brachte Salz aus dem Alpenraum nach Böhmen. 1950 wurde Reichenthal zur Marktgemeinde erhoben; die Marktfunktion des Ortes selbst ist deutlich älter. Pfarrkirche, Schloss Waldenfels und Marktplatz prägen die historische Mitte. Die Kirche wird wegen ihrer Größe auch „Mühlviertler Dom“ genannt; ihre Kanzel zeigt die sieben Todsünden. Schloss Waldenfels ist ein eigenständiges Ziel am Ortsrand, Besichtigungen erfordern laut Gemeinde eine Anmeldung. So kann die Geschichte des Ortes über die erhaltene Marktstruktur und Wege im Gelände verstanden werden, ohne aus wenigen Denkmälern eine ununterbrochene Entwicklung zu behaupten.
Biomassewärme und örtliche Arbeit
Am 31. Oktober 2024 zählte Statistik Austria in Reichenthal 141 Arbeitsstätten mit 619 Beschäftigten; 48,0 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse entfielen auf den sekundären Sektor. 76,2 Prozent der Erwerbstätigen mit Wohnort Reichenthal pendelten aus. Ein konkreter örtlicher Betrieb ist die Bioenergie Reichenthal: Die eingetragene Genossenschaft betreibt seit 1994 ein Biomasseheizwerk an der Summerauerstraße. Es wird überwiegend mit Hackschnitzeln aus Reichenthal und Umgebung befeuert. Haushalte und Betriebe in großen Teilen des Ortszentrums können Wärme und Warmwasser beziehen. Hier wird regionales Holz nicht bloß als Rohstoff verkauft, sondern in eine gemeinsame Versorgungsleistung umgewandelt. Die Pendlerquote ergänzt das Bild, denn zahlreiche Einwohner arbeiten außerhalb des Orts, während das Heizwerk eine lokale Tätigkeit hält.
Ein frei zugängliches Museumsdorf
Das Museums- und Mühlendorf Hayrl liegt im Kettenbachtal auf einem etwa 7.000 Quadratmeter großen Gelände. Die Gemeinde beschreibt dort unter anderem Herren- und Hausmühle, Dorfschmiede, Backhäusl, Venezianergatter sowie mehrere kleine Ausstellungen. Das Areal ist ganzjährig frei begehbar; Führungen finden in der Saison dienstags statt oder nach Anmeldung. Damit ist das Mühlendorf ein tatsächlich öffentlich besuchbarer Ort, nicht nur ein historischer Standort am Weg. Der 10-Mühlen-Wanderweg führt an früheren Mühlenplätzen vorbei und ist rund 14 Kilometer lang; die kürzere Erlebnisrunde zur Wasserkraft misst etwa 1,5 Kilometer. Das Ensemble erklärt frühere Arbeitsschritte und nutzt den Bachraum als Freiluft-Ausstellung.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Reichenthal – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Zahlen und Fakten Reichenau
- STATISTIK AUSTRIA – Arbeitsstättenzählung 2024, Gemeindeergebnisse
- Wander-/Radwege in Reichenthal
- Bioenergie Reichenthal
- Freilichtmuseum Hayrl
- Familienfreibad Reichenthal
Stand der Angaben: 12.10.2026
