OTTNANG AM HAUSRUCK KENNENLERNEN
Ottnang: Bergbaugeschichte und Alltag am Hausruck
Ottnang am Hausruck ist keine einzelne geschlossene Siedlung, sondern eine Marktgemeinde mit 39 Ortschaften, die sich über das Hügelland des Hausrucks verteilen. Hier leben 4.072 Menschen (Stand 1. Jänner 2026) auf 30,32 Quadratkilometern. Holzleithen, Thomasroith, Bruckmühl und Ottnang stehen für verschiedene Seiten des Ortes: Bahn und Alltag, Bergbaugeschichte, Pfarrleben und Verwaltung.
Viele Ortsteile, ein gemeinsamer Markt
Die Gemeinde liegt auf rund 554 Metern im Hausruckviertel. Wälder und landwirtschaftliche Flächen wechseln einander ab; die Ortschaften reichen von den zentraleren Bereichen bis in die verstreuten Siedlungen des Hausrucks. Die Gliederung in die Katastralgemeinden Bruckmühl, Plötzenedt und Puchheim fasst diese Vielfalt auf Verwaltungsebene zusammen. Durch das Gemeindegebiet führt die Hausruckbahn von Ried im Innkreis nach Attnang-Puchheim. Neben dem Bahnhof Ottnang-Wolfsegg gibt es Haltestellen in Bergern und Holzleithen. Diese Bahnverbindung prägt das tägliche Unterwegssein und bindet die Ortsteile an Arbeits- und Versorgungszentren an. Der Marktgemeindetitel verweist auf den zentralen Ort, doch das Gemeindegebiet ist deutlich größer als sein Kern.
Treppenbau, Glas und Kohle als Erbe
Die AEST 2024 weist für Ottnang 276 Arbeitsstätten aus; 59,1 Prozent davon gehören zum Dienstleistungssektor. Von 971 Beschäftigten an den Arbeitsorten entfallen 33,4 Prozent auf den sekundären und 57 Prozent auf den tertiären Sektor. Das beschreibt örtliche Arbeitsstätten, nicht die Berufe der hier Wohnenden. Holztreppen Weidinger fertigt in Ottnang Treppen aus Holz; Engl Glas betreibt in Redl einen Glasereibetrieb. Damit sind neben Dienstleistungen auch handwerkliche Produktion und Verarbeitung vor Ort sichtbar. Thomasroith war früher ein Schwerpunkt des Hausrucker Braunkohlebergbaus. Der Südfeldstollen macht diese vergangene Arbeit heute als Schaustollen zugänglich; laufender Bergbau ist damit nicht gemeint.
Ein Stollen erzählt vom Hausruck
Der Braunkohleabbau prägte Thomasroith über Generationen. Im 19. Jahrhundert wurden die Abbaugebiete erschlossen; Thomasroith war bis in die 1920er Jahre ein Mittelpunkt des Bergbaureviers. Der Südfeldstollen, 1960 angeschlagen, blieb bis 1967/68 in Betrieb. Heute ist ein erhaltener Teil als Schaustollen gestaltet. Der Grubengeistweg verknüpft ihn mit dem ehemaligen Abbaugebiet: Von Holzleithen führt die Route durch den Hausruckwald bis zum Stollen und erzählt Erd- und Kohlegeschichte. Damit wird die frühere Industrie nicht als abstrakte Statistik behandelt, sondern in einer Landschaft erfahrbar, die den Alltag der Bergleute und die Energiegewinnung über lange Zeit mitbestimmte. Führungen im Stollen sind nach Voranmeldung möglich.
Kirchen, Literatur und ein Haus in Ottnang
Die Pfarrkirche Ottnang geht auf einen gotischen Bau des 13. Jahrhunderts zurück; im frühen 18. Jahrhundert wurde sie zur dreischiffigen Kirche umgestaltet. Daneben erinnert das Thomas-Bernhard-Haus an den Schriftsteller, der die Liegenschaft 1972 erwarb und neugestaltete. Der Museumsteil gibt nach Voranmeldung Einblick in das Haus und seine Geschichte. Diese beiden Orte stehen für unterschiedliche kulturelle Schichten: die lange religiöse Funktion des Marktes und eine jüngere literarische Verbindung, die Ottnang weit über die Region hinaus bekannt macht. Die Gemeinde besteht aus vielen Ortsteilen; deshalb liegen kulturelle Bezugspunkte nicht ausschließlich im Zentrum. Thomasroith bewahrt die Bergbaugeschichte, während Ottnang selbst den Markt und das Bernhard-Haus verbindet.
Zwei Ziele zum Erkunden
Der Südfeldstollen in Thomasroith ist ein Schaustollen, der die örtliche Bergbaugeschichte anhand erhaltener Stollenteile und einer rekonstruierten Anfahrtsstube erklärt. Für eine Führung ist eine Voranmeldung erforderlich. Das Thomas-Bernhard-Haus in Ottnang besitzt einen Museumsteil, der nach Vereinbarung besichtigt werden kann; die Nachlassverwaltung nennt dafür den Zeitraum von Ostern bis Ende Oktober. Beide Ziele führen in sehr unterschiedliche Lebenswelten der Gemeinde: zum Kohlebergbau im Hausruck und zum literarischen Arbeits- und Lebensumfeld Bernhards.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Ottnang am Hausruck – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Ottnang am Hausruck - GEM2GO WEB - Startseite
- Holztreppen Weidinger
- Südfeldstollen – Marktgemeinde Ottnang
- Grubengeistweg – Marktgemeinde Ottnang
- Haus Ottnang – Thomas Bernhard
- STATISTIK AUSTRIA, Abgestimmte Erwerbsstatistik 2024, Gemeindetab_(Gebietsstand_2024)
Stand der Angaben: 13.10.2026
