ANRAS KENNENLERNEN
Anras, die Sonnenterrasse des Hochpustertals
Anras liegt auf einer sonnigen Hochterrasse über dem Pustertal, zwischen Erlbach und Kristeiner Bach. In der Tiroler Gemeinde im Bezirk Lienz leben 1.191 Menschen (Stand 1. Jänner 2026); die Fläche beträgt 62,08 Quadratkilometer.
Dörfer auf der Sonnseite
Das Gemeindegebiet reicht vom Defereggengebirge bis zu den Ausläufern der Lienzer Dolomiten. Es besteht aus den Katastralgemeinden Anras, Asch-Winkl und Ried und umfasst die Dörfer Anras, Asch und Mittewald sowie verstreute Weiler und Höfe. Die Höhenlage und die sonnigen, leicht geneigten Hänge prägten lange die Landwirtschaft. In der historischen Landschaft lagen Äcker, Wiesen und Weiden eng nebeneinander; Holz- und Steinzeune trennten Felder und Viehwege. Heute erinnern Kornkästen und einzelne Wirtschaftsgebäude an diesen Zusammenhang. Die Gemeinde ist durch die Pustertaler Höhenstraße erschlossen, während die Siedlungen im Talboden und auf den Hängen unterschiedliche Beziehungen zur Drautalstraße und zu den Nachbarorten haben.
Arbeit zwischen Handwerk und Produktion
Die Arbeitsstättenzählung 2024 erfasste in Anras 88 Arbeitsstätten mit 282 Beschäftigungsverhältnissen am Arbeitsort. 75,1 Prozent der aktiv Erwerbstätigen am Wohnort pendeln aus. In Erlbrücke arbeiten die S. Schösswender Werke in der Metall- und Schmiedekunst; der Standort zeigt, dass zur bäuerlich geprägten Gemeinde auch Fertigung gehört. Die Gemeindeliste nennt außerdem Tischlereien, Zimmereien, Transport sowie Sand- und Schotterarbeiten. Solche Tätigkeiten hängen mit Bauen, Verarbeitung und Versorgung vor Ort zusammen. Metallarbeit in Erlbrücke und Bauhandwerk ergänzen die Landwirtschaft auf der Hochterrasse, während viele Einwohner auspendeln.
Pfleghaus und Kirche erzählen von Gericht und Glaube
Im Ortskern stehen das Pfleggerichtshaus und die Pfarrkirche nahe beieinander. Das Pfleghaus war über Jahrhunderte Sitz der Verwaltung und Gerichtsbarkeit der Herrschaft Anras; die Bischöfe von Brixen nutzten es als Sommerresidenz. Heute ist das Haus wieder kulturell zugänglich und beherbergt Ausstellungen sowie Veranstaltungen. Die Pfarrkirche zum heiligen Stephanus entstand in ihrer heutigen barocken Gestalt im 18. Jahrhundert. Ihre Ausstattung verbindet Malerei von Martin Knoller mit Arbeiten weiterer Tiroler Künstler. Zusammen machen die Gebäude verständlich, weshalb Anras früher weit über ein gewöhnliches Bauerndorf hinaus Bedeutung hatte. Der damalige Gerichtsbezirk reichte bis in benachbarte Täler; nach seiner Auflösung blieb eine bäuerlich geprägte Gemeinde.
Eine Kulturlandschaft zum Durchgehen
Die Anraser Dorfrunde führt an Bildtafeln vorbei, die historische Ansichten und die frühere Nutzung der Umgebung erklären. Die Sonnseite galt einst als wichtiges Getreideanbaugebiet Osttirols; Mühlen und Harpfen prägten das Bild. Nicht alles davon ist erhalten, doch die Tafeln verankern Landwirtschaftsgeschichte an konkreten Orten im Dorf. Außerhalb des Ortskerns öffnen sich Wege in Richtung Kristeinertal und zu den höher gelegenen Seen. Die Landschaft ist dabei Arbeitsraum und Erholungsraum zugleich: Höfe, Wiesen und Almen bleiben Teil des täglichen Lebens, während Wanderwege die Übergänge zu den Bergen erschließen. Anras lässt sich daher sowohl über sein Pfleghaus als auch über die kleinteilige Kulturlandschaft verstehen, die sich rund um die Dörfer entwickelt hat.
Quellen und Belege
- STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
- Anras – Wikipedia, feste Artikelversion · Lizenz: CC BY-SA 4.0 · Versionsgeschichte
- Gemeinde Anras – Wirtschaft
- Gemeinde Anras – S. Schösswender Werke
- Gemeinde Anras – Lage
- Gemeinde Anras – Anraser Dorfrunde, Bildtafel 1
- Gemeinde Anras – Denkmal und Kultur
- Anraser Pfleghaus – Veranstaltungen und Ausstellungen
- Statistik Austria – Arbeitsstättenzählung 2024, Gemeindeergebnisse
Stand der Angaben: 15.10.2026
