PARBASDORF KENNENLERNEN
Parbasdorf: Anger, Kirche und Erinnerung an 1809
Parbasdorf ist eine Gemeinde im Marchfeld, im Bezirk Gänserndorf. Auf 10,23 Quadratkilometern leben 175 Menschen (Stand 1. Jänner 2026). Das Dorf gehört zu den kleinen Siedlungen der Ebene; sein Name und mehrere sichtbare Ortszeichen bewahren Spuren aus dem Mittelalter und der Schlacht bei Wagram.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026
Ein Angerdorf im Marchfeld
Der Ort ist als Angerdorf angelegt: Der Rußbach läuft durch die Siedlung, und die Kirche steht auf dem zentralen Platz. Auf der ebenen Marchfeldfläche liegt das Gemeindegebiet auf etwa 150 Metern Seehöhe. Neun Zehntel der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt; Wald und Gewässer nehmen jeweils rund zwei Prozent ein. Die Ortsnamen haben sich mehrfach verändert. 1180 wurde Parbasdorf als Perwolfesdorf erwähnt, später erscheinen unter anderem Perwarsdorf, Parwolfsdorf und Perbleinsdorf. Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts lag der Ort zeitweise öde, die Gründe blieben brach. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde er wieder aufgestiftet; danach zog die Herrschaft Wolkersdorf die Gerichtsbarkeit an sich. Die Gemeinde umfasst nur eine Katastralgemeinde, die Parbasdorf heißt.
Quellen: Geschichte der Gemeinde Parbasdorf · Parbasdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Schlachtfeld und archäologische Funde
Die Schlacht bei Wagram wurde am 5. und 6. Juli 1809 im Marchfeld ausgetragen. Parbasdorf gehörte zum Kernbereich des Schlachtfelds, der sich über mehrere Orte zwischen Glinzendorf und Aderklaa erstreckte. Am Mittag des 5. Juli befahl Napoléon den Angriff auf den Ort; 40 Geschütze setzten ihn in Brand. Die Verteidiger unter Generalmajor Ignaz Graf zu Hardegg wehrten Oudinots Truppen ab. Hardegg erhielt später den Militär-Maria-Theresien-Orden. Im 19. Jahrhundert war Baumersdorf eine gebräuchliche Namensform des Orts. Am 13. März 2017 begannen archäologische Grabungen entlang der damals geplanten S 8 Marchfeld Schnellstraße. Im Gemeindegebiet von Parbasdorf legten Fachleute Überreste der Schlacht frei; jeder Fund wurde gesichert und dokumentiert. Zu den Funden zählten auch Skelette aus der napoleonischen Zeit. Ein Gedenkstein hält die Kämpfe in der Ortsgeschichte präsent.
Quellen: Museum der Schlacht bei Wagram · Archäologische Grabungen für den S8-Bau · Parbasdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Kapelle und Pfarrgeschichte
Parbasdorf gehörte zunächst zur Pfarre Markgrafneusiedl. 1760 erhielt die Gemeinde die Genehmigung, eine Kapelle zu errichten; 1776 war sie fertig. Das kleine spätbarocke Bauwerk ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Ein leicht vorgezogener Westturm besitzt einen geschwungenen Giebel und eine Biedermeierhaube. 1854 wurde die Benediktion der Filialkirche genehmigt. Der Innenraum ist modern ausgestattet; das Langhaus besitzt eine Flachdecke, nördlich ist eine jüngere Sakristei angebaut. Seit 1963 gehört Parbasdorf zur Pfarre Deutsch-Wagram. Die Orgel wurde 1997 erneuert.
Quellen: Filialkirche Parbasdorf · Parbasdorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Landwirtschaft und Schulgeschichte
Schulunterricht wurde seit 1838 in den fünf Wintermonaten gehalten. 1894 entstand ein einklassiges Schulhaus, dessen Unterricht 1941 endete. Bei der Erhebung 1999 wurden in Parbasdorf 19 land- und forstwirtschaftliche Betriebe gezählt. Zwei Jahre später gab es eine nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätte. Die Volkszählung von 2001 erfasste 64 Erwerbstätige am Wohnort; die Erwerbsquote lag damals bei 51,85 Prozent.
Kriegsfolgen im Dorf
1945 ging das Gemeindearchiv verloren, als sich die deutschen Truppen zurückzogen und der Roten Armee Widerstand leisteten. Der Häuserbestand blieb trotz schwerer Schäden größtenteils erhalten.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
