MÜLLENDORF KENNENLERNEN
Römische Funde unter einem Ort am Leithagebirge
Müllendorf liegt nahe Eisenstadt im nördlichen Burgenland. Die Siedlung zieht sich vom Südhang des Leithagebirges über die Müllendorfer Senke bis zu den nördlichen und westlichen Ausläufern des Föllig. Innerhalb der Gemeinde gibt es nur den gleichnamigen Ort. Das Gemeindeverzeichnis nennt für den 1. Jänner 2026 insgesamt 1.529 Einwohner und eine Fläche von rund 12,80 Quadratkilometern. Eine besondere Geschichte liegt hier teilweise unter dem heutigen Ortskern: Archäologische Untersuchungen haben Spuren einer römischen Siedlung mit Straßen, Wohnbauten und einer Badeanlage nachgewiesen. Daneben gehören die örtlichen Kreidevorkommen zur wirtschaftlichen Geschichte der Gemeinde.
Quellen: STATISTIK AUSTRIA – Gemeindeverzeichnis 2026 · Müllendorf – Wikipedia, feste Artikelversion
Ein Vicus an der Straße nach Carnuntum
Während der römischen Kaiserzeit lag an der Stelle des heutigen Müllendorfs ein Vicus, also eine kleinere Siedlung. Er befand sich an der Straße zwischen Scarbantia und Carnuntum in der Provinz Pannonia. Schon 1879 kamen beim Eisenbahnbau im Bereich des späteren Bahnhofs römische Gräber zum Vorschein. Diese frühen Funde verbanden die moderne Erschließung des Ortes mit seiner wesentlich älteren Nutzung. Die römische Vergangenheit ist deshalb nicht auf einen einzelnen Zufallsfund beschränkt, sondern durch unterschiedliche Untersuchungen und Fundstellen im heutigen Gemeindegebiet dokumentiert.
Neue Erkenntnisse aus den Jahren 2019 und 2020
Bei einer archäologischen Notgrabung wurden 2019 fünf römische Streifenhäuser, eine Straße und eine Wasserleitung entdeckt. Eine Forschungsgrabung der Universität Wien wies im folgenden Jahr außerdem eine Therme im Zentrum des Vicus nach. Die Befunde sprechen dafür, dass sich die antike Siedlung und ihr Gräberfeld ungefähr unter dem heutigen Ortskern beziehungsweise dem heutigen Friedhof erstreckten. Diese Lage macht verständlich, weshalb neue Erkenntnisse gerade bei Arbeiten im bebauten Ort entstehen können. Ausgrabungsbefunde bedeuten allerdings nicht automatisch, dass die betreffenden Bereiche als frei zugängliche Sehenswürdigkeit besichtigt werden können.
Mautstelle, Marktnennung und der Brand von 1915
Die erste urkundliche Erwähnung Müllendorfs stammt aus dem Jahr 1271. Im Mittelalter befand sich hier eine Mautstelle; 1569 wurde der Ort als Markt bezeichnet. Seine Geschichte war wiederholt von Zerstörungen geprägt. Besonders einschneidend war der Großbrand im Juni 1915: Innerhalb weniger Stunden breitete sich das Feuer über einen großen Teil der Gemeinde aus, und zahlreiche Häuser wurden vernichtet. Müllendorf gehörte lange zur Herrschaft Mattersdorf-Forchtenstein. Mit dem Burgenland kam der Ort 1921 zu Österreich. Die heutige amtliche Bezeichnung lautet Gemeinde Müllendorf; die historische Marktnennung beschreibt einen früheren Zusammenhang.
Kreidevorkommen und sakrale Bauten
Die Kreidevorkommen im Gemeindegebiet sind eine besondere geologische und wirtschaftliche Grundlage Müllendorfs. Mit ihnen ist die Geschichte der örtlichen Kreidefabrik verbunden. Außerdem gehört eine PET-Recyclinganlage zu den beschriebenen gewerblichen Nutzungen. Im Ortsbild setzen die katholische Pfarrkirche und die Johannes-Nepomuk-Kapelle andere Akzente; die Kapelle stammt aus dem 18. Jahrhundert. Müllendorf lässt sich somit über mehrere unterschiedliche Ebenen kennenlernen: die Hanglage vor dem Leithagebirge, die archäologischen Spuren der römischen Siedlung, den durch Katastrophen veränderten Ortskern und die Verarbeitung örtlicher beziehungsweise wiedergewonnener Rohstoffe.
Quellen und Belege
Stand der Angaben: 08.10.2026
